Aktuelle Artikel aus meiner Schreibstube

Das Leben ist unfassbar groß. Über das Geheimnis der Bäume und den großartigen Roman "Die Wurzeln des Lebens" von Richard Powers

„Ihr seht uns niemals ganz“, sagen die Bäume im Roman, für den Richard Powers den Pulitzer-Preis erhielt. In der Geschichte über das Wunder des Lebens tun sich Menschen zusammen, um die ältesten Mammutbäume zu retten – gegen heftigen Widerstand der Industrie. Doch „das Leben läuft an den Menschen vorbei, unbemerkt,“ so sehen es die Bäume.

Wie sollen wir leben am Abgrund einer drohenden Klimakatastrophe und einem Artensterben ungeahnten Ausmaßes? Gibt es eine Kunst des Lebens, wenn die großen Dinge aus den Fugen geraten?

Richard Powers hat mit “The Overstory” einen großen und faszinierenden Roman über Bäume und Menschen geschrieben, der mein Herz berührt hat. Heute schaue ich sie nicht nur an, ich lasse mich anschauen und berühren von ihnen: ihrer Würde, ihrer Stille, ihrer Botschaft.

Mein Kind nervt – oder etwa nicht?

Kinder brauchen und suchen körperlichen Kontakt. „Aber muss das ausgerechnet bei meinem Yoga sein?“

Toni nervt Yoga-Mama, aber eigentlich sucht er vielleicht das Gleiche wie sie: Sich körperlich spüren. Und: Seiner Mama nahe sein.
Achtsamkeit bedeutet sich ganz einzulassen und neu hinzuschauen. Kinder „stören“ nicht, sie wollen uns berühren – Rücken und Herz.

Ich bin (s). Gegenwart und Heiligtum

Wer und was versteckt sich hinter Baum, Erde und Kind? Und wer bin ich selbst? Manchmal blitzt das Geheimnis des Lebens in und hinter den Dingen und Wesen unseres Alltags auf.

Ein ganzes Leben.

Im Gespräch mit einer Mutter öffnet sich kürzlich mein Herz, Mitgefühl mit ihr, als sie mitten im gewünschten kurzen Nachgespräch über eine Szene am Vormittag in Tränen ausbricht. Sie will es so gut machen, will ihr Kind beschützen, und muss beim kleinen Abschluss-Fest wieder erleben, wie Charlie von Marlon mit voller Absicht zu Boden gestoßen wird. Wieder dieser Marlon. Wieder diese Erfahrung.
 

Aber „die Welt ist groß, und Rettung lauert überall“, schreibt Ilja Trojanow einmal. Und in meinem aktuellen Lieblingsbuch vom Jungen, dem Maulwurf, dem Fuchs und dem Pferd von Charlie Mackensy zieht sich diese Stimmung und Weisheit durch die ganze wundervolle Bildergeschichte: Das Leben ist nicht leicht. Wir sind wie geworfen auf die Erde. Und wir sind allein und voller Heimweh. Und zugleich sind wir doch nicht allein. Wir erfahren die Kraft der Verbundenheit und die Macht der Freundschaft und Liebe, die das Dunkle, Wilde, Unkontrollierbare und Schmerzliche nicht wegzaubern kann. Aber es durchschreiten lässt. Von den kleinen bis zu den großen Erfahrungen von Schmerz und Leid. ... Ein ganzes Leben in ein paar Stunden mit Kindern.

Mitgefühl und Muttergottes. Ein Schloss, eine Kapelle und ein Brückenschlag

Vor einigen Wochen durfte ich ein uraltes Schloss besichtigen, das seit Jahrhunderten im Verfall begriffen ist. An einer Ecke der Schlossmauern befindet sich eine winzige Kapelle. Die junge Besitzerin, deren viel zu früh verstorbener Vater das angeschlossene Gut erworben und begonnen hatte, einige Nebengebäude zu renovieren, fragte mich ob, ich auch die sehen wollte. Ja, das wollte ich! Alte Höfe, denen neues Leben eingehaucht wird, und eine alte Kapelle, die an Franz von Assisis verfallenes Kirchlein von San Damiano erinnert und darauf wartet, dass einer in der Stille eine Stimme hört „Baue meine Kirche wieder auf“, dafür ist mein Herz schon lange weit offen...

Die Kapelle ist der "schmerzhaften Muttergottes" geweiht. Was so fromm katholisch daherkommt, stellt sich für mich vor dem Hintergrund der modernen Achtsamkeitspraxis hoch aktuell dar. Die Muttergottes als Schutzpatronin des Mitgefühls.

Wir können Krise. Wege aus der Bedrängnis

 

Als hätte jemand den globalen Ameisenhaufen Erde unter Wasser gesetzt: Alles schwimmt. Orientierung ist schwer, untergehen in der Verunsicherung ist leicht. Aber wir können Krise. Wir werden erst klarer sehen, wenn das Wasser versickert ist. Das kann noch dauern. Inzwischen müssen wir trockene Plätze aufsuchen, bisweilen schwimmen und zusammenhelfen.

Ich beobachte mit Sorge, wie schnell wir gerade in Schubladen landen und wie schwer es geworden ist, verschiedene Meinungen zu respektieren und gemeinsam Wege aus der Krise zu suchen. Ein vorläufige ganz persönliche Spurensuche. Ich empfehle auch Beiträge von Kolleg*innen auf www.ethik-heute.org

Krise und irgendwie weiter? Erfahrungsbericht aus dem inneren home office.

Bei einem online Achtsamkeitstraining ging es um den Umgang mit Stress und Emotionen. Plötzlich fand ich mich zuhause als teilnehmender Seminarleiter wieder: Innerhalb von 3 Tagen leerte ich eine Flasche Sirup über unseren Ausziehtisch und putzte mich durch alle Ritzen des Steck-Mechanismus, und dann verteilte ich ein Glas Marmelade in der Küche. Die Krise im Außen hatte sich schon vorher in mein Inneres gearbeitet, aber erst jetzt kam es raus: Gereiztheit, Einrasten, Ausrasten - und dann doch eine kleine Lücke, ein Moment, eine Chance zur Verwandlung ...

Stern und Goldjunge. Zwischen Betlehem und Buenos Aires

In Argentinien ging in den 1970-80er Jahren ein Stern auf, den man Goldjunge nannte, pibe de oro: Diego Armando Maradona. Maradona? War das nicht ein Fußballer? Was willst du denn mit Fußball?

Maradona starb im Oktober 2020, sein Stern strahlt weiter in der Dunkelheit. Er war Genie und Gauner, Lichtgestalt und Skandalfigur. Aber er hatte einen Traum, sein Fußball war eine Liebeserlärung an das Leben und damit hat er auch uns was zu sagen.