Aktuelle Artikel aus meiner Schreibstube

"...muss die Freiheit wohl grenzenlos sein?
nicht mehr brauchen, nicht mehr müssen

Angesichts der Energiekrise macht das Wort Verzicht die Runde, ein rotes Tuch für freiheitsliebende Menschen. Doch welche Freiheit ist gemeint? Und könnte es eine befreiende Erfahrung sein, weniger zu brauchen?


Viel ist in diesen Tagen vom Verzicht die Rede. Nach der Pandemie sorgt nun Putin mit seinem Krieg für Turbulenzen. Nach all den Entbehrungen in der Pandemie – geht uns jetzt der Treibstoff aus?

Als vor ein paar Jahren die Begriffe „Flugscham“ und „Zugstolz“ aufkamen, interviewte ein ZEIT-Journalist den streitbaren Ökonomie-Professor Nico Paech. Paech sprach so klar und unmissverständlich aus, was alle wissen, aber kaum jemand hören möchte...

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Testen Kinder Grenzen?
Forschungsprojekt "Aua"

Grenzen sind ein beliebtes pädagogisches Thema. Weit verbreitete ist die Annahme: Kinder testen uns, um zu sehen, wie weit sie gehen können. Hier beleuchte ich verschiedene Aspekte von „Grenzensetzen“. Ich möchte ermutigen, nicht jeden Gedanken zu glauben und tiefer zu schauen.

 

In einem Praxisbeispiel beschreibe ich eine Schlüsselerfahrung, wo ein Kind tatsächlich testet und forscht, und es mir gelang, mich zurückzuhalten, um nicht um das lieben Grenzensetzens zu übersehen, was hier wirklich passierte.

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Wird alles wieder gut?
Kinder, Krieg und Achtsamkeit

Leid und Schmerz ist nicht etwas, mit dem unsere Gesellschaft gut umgehen kann, v.a. dann, wenn wir uns hilflos und ohnmächtig fühlen, oder wenn die offenbar Schuldigen weit sind und wenn große Ängste im Spiel sind.

Auch viele Eltern tun sich schwer damit im Alltag mit Kindern. Auch wenn sich Erwachsene noch so bemühen, lassen sich Störungen, Konflikte, leidvolle Erfahrungen der Kinder nicht vermeiden und auch nicht schnell schnell weg-machen. "Ist ja alles gut...", oder "Wird schon wieder..." haben wir selbst als Kinder gehört und sagen es jetzt vielleicht selbst. Der Krieg stellt nun eine "Störung" in unser aller Bewusstsein, die sich Vorrang nimmt; die sich nicht schnell weg-machen lässt und die kaum je wieder gut werden kann, schon gar nicht schnell. Das zwingt uns förmlich, unseren eigenen Umgang mit Schmerz und Leid zu befragen, und auf der Suche nach Halt und Orientierung für unsere Kinder unsere eigenen Quellen zu finden und zu stärken. 

 
Leiden verwandeln.
Achtsamkeit in Zeiten des Krieges

Zeugnis einer Mystikerin im Holocaust

“Das eine Mal ist es ein Hitler, ein andermal meinetwegen ein Iwan der Schreckliche, einmal ist es Resignation, ein andermal sind es Kriege, Pest, Erdbeben oder Hungersnot. Entscheidend ist letzten Endes, wie man das Leiden, das in diesem Leben eine wesentliche Rolle spielt, trägt und erträgt und innerlich verarbeitet und dass man einen Teil seiner Seele unverletzt über alles hinwegrettet.”

Diese Zeilen schrieb die Jüdin Etty Hillesum kurz vor ihrer Deportation im Juli 1942. Sie starb 1943 in Auschwitz, keine 30 Jahre alt. Bis in ihre letzten Tage hinein inmitten unsagbaren Leides konnte sie mit tiefer Freude im Kontakt bleiben; mit Glück und unerschöpflicher Liebe, so groß das Unrecht und so tragisch die Lebensumstände auch waren.

Etty Hillesum verkörperte, was der große buddhistische Lehrer Thich Nhat Hanh als Wesen der Meditation beschrieb: “Das Leben ist schrecklich und wundervoll. Meditationspraxis beinhaltet, mit beiden Aspekten des Lebens in Berührung zu sein.”

Sie erkannte die große Kunst des Lebens darin, Leiden zu ertragen. Und damit sind wir auf der Spur einer der wichtigsten Aspekte jeder spirituellen Praxis, die statt "Wellness" uns in die Tiefe des Lebens führt.

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Zumutung und Zärtlichkeit.
Mitgefühl in Zeiten des Krieges

Pandemie, Krieg, Klima-Krise. Was mutet uns das Leben gerade zu? Und was erst den Menschen, die in diesen Tagen und Wochen vor Bomben fliehen müssen? 

Wie finden wir uns zurecht in diesen Krisen-Zeiten? Ich nehme immer wieder Zuflucht zum schweigenden Gebet der Meditation. Die Berührung mit dem Leid im stillen Sitzen der Meditation hilft mir, Bodenkontakt zu halten und zugleich den Himmel offen zu halten.

In meinem Schreiben habe ich seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine in den Tagebuch-Einträgen von Etty Hillesum Orientierung gefunden. Die Mystik dieser bemerkenswerten Frau aus der Zeit des Holocaust ist wie ein Leuchtfeuer für die Dunkelheit dieses Grauens, dem wir uns gegenwärtig wieder gegenübersehen.

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Tausend Frühlinge und einen Schritt näher.

Die Krisen nicht zu vergessen, und zugleich die Wunder nicht zu übersehen, die oft so nahe sind und unserem beschäftigten Geist entgehen. Das lebte der kürzlich 95jährig verstorbene buddhist. Mönch, Achtsamkeitslehrer & Mystiker Thich Nhat Hanh. In diesem Aufsatz erzähle ich Euch von wunderbaren Freunden und Büchern, von einem 1000jährigen Schloss und dieser 1000jährigen Eiche.

Der Frühling kommt, die "kleinen Vögel in den Stein-Eichen, nicht mehr Prosa redend, dichten schon ein wenig", wie Rilke uns so schön Mut macht.

Heile Welt mit Achtsamkeit? Drei Fallen, drei Antworten, drei Mutmacher

„Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit – ich kann das Wort nicht mehr hören!“

Achtsamkeit kann zu einem unerreichbaren Ideal werden. Hier zeige ich drei vermeidbare Heile-Welt-Fallen und ermutige Eltern: Achtsamkeit heißt echt zu sein, nicht perfekt.

1. Wir sind immer nett zueinander. 2. Mein Kind entscheidet alles selbst. 3. Achtsamkeit macht alles easy.

Meine steilsten Antworten in Kürze: 1. Kinder sind nicht nett! Und wir sollten es auch nicht sein. 2. Wir brauchen den Mut zum Buhmann! Vergessen wir nicht, dass wir die Erwachsenen sind und was unsere Aufgabe ist. 3. Alles easy ist die Illusion unter der Käseglocke. Käseglocke aber ist schlecht für das Immunsystem.

Erste Artikel dazu bereits online zu lesen, weitere folgen!

Kinder können Krise. Zu viel Sorge schwächt unsere Kinder.

 

Oft müssen Eltern Entscheidungen gegen den Willen ihrer Kinder treffen. Dabei sollten wir nicht in die „Heile-Welt-Falle“ tappen, so der Pädagoge Steve Heitzer. Denn Kinder können Krise, wenn wir ihnen das zutrauen und sie mit gesunder Distanz mitfühlend begleiten.

Wir können unsere Kinder sicht nicht zu sehr lieben, aber wir können uns aus Liebe zu sehr sorgen.

Das Leben ist unfassbar groß. Über das Geheimnis der Bäume und den großartigen Roman "Die Wurzeln des Lebens" von Richard Powers

„Ihr seht uns niemals ganz“, sagen die Bäume im Roman, für den Richard Powers den Pulitzer-Preis erhielt. In der Geschichte über das Wunder des Lebens tun sich Menschen zusammen, um die ältesten Mammutbäume zu retten – gegen heftigen Widerstand der Industrie. Doch „das Leben läuft an den Menschen vorbei, unbemerkt,“ so sehen es die Bäume.

Wie sollen wir leben am Abgrund einer drohenden Klimakatastrophe und einem Artensterben ungeahnten Ausmaßes? Gibt es eine Kunst des Lebens, wenn die großen Dinge aus den Fugen geraten?

Richard Powers hat mit “The Overstory” einen großen und faszinierenden Roman über Bäume und Menschen geschrieben, der mein Herz berührt hat. Heute schaue ich sie nicht nur an, ich lasse mich anschauen und berühren von ihnen: ihrer Würde, ihrer Stille, ihrer Botschaft.

Mein Kind nervt – oder etwa nicht?

Kinder brauchen und suchen körperlichen Kontakt. „Aber muss das ausgerechnet bei meinem Yoga sein?“

Toni nervt Yoga-Mama, aber eigentlich sucht er vielleicht das Gleiche wie sie: Sich körperlich spüren. Und: Seiner Mama nahe sein.
Achtsamkeit bedeutet sich ganz einzulassen und neu hinzuschauen. Kinder „stören“ nicht, sie wollen uns berühren – Rücken und Herz.

Ich bin (s). Gegenwart und Heiligtum

Wer und was versteckt sich hinter Baum, Erde und Kind? Und wer bin ich selbst? Manchmal blitzt das Geheimnis des Lebens in und hinter den Dingen und Wesen unseres Alltags auf.

Ein ganzes Leben.

Im Gespräch mit einer Mutter öffnet sich kürzlich mein Herz, Mitgefühl mit ihr, als sie mitten im gewünschten kurzen Nachgespräch über eine Szene am Vormittag in Tränen ausbricht. Sie will es so gut machen, will ihr Kind beschützen, und muss beim kleinen Abschluss-Fest wieder erleben, wie Charlie von Marlon mit voller Absicht zu Boden gestoßen wird. Wieder dieser Marlon. Wieder diese Erfahrung.
 

Aber „die Welt ist groß, und Rettung lauert überall“, schreibt Ilja Trojanow einmal. Und in meinem aktuellen Lieblingsbuch vom Jungen, dem Maulwurf, dem Fuchs und dem Pferd von Charlie Mackensy zieht sich diese Stimmung und Weisheit durch die ganze wundervolle Bildergeschichte: Das Leben ist nicht leicht. Wir sind wie geworfen auf die Erde. Und wir sind allein und voller Heimweh. Und zugleich sind wir doch nicht allein. Wir erfahren die Kraft der Verbundenheit und die Macht der Freundschaft und Liebe, die das Dunkle, Wilde, Unkontrollierbare und Schmerzliche nicht wegzaubern kann. Aber es durchschreiten lässt. Von den kleinen bis zu den großen Erfahrungen von Schmerz und Leid. ... Ein ganzes Leben in ein paar Stunden mit Kindern.

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Mitgefühl und Muttergottes. Ein Schloss, eine Kapelle und ein Brückenschlag

Vor einigen Wochen durfte ich ein uraltes Schloss besichtigen, das seit Jahrhunderten im Verfall begriffen ist. An einer Ecke der Schlossmauern befindet sich eine winzige Kapelle. Die junge Besitzerin, deren viel zu früh verstorbener Vater das angeschlossene Gut erworben und begonnen hatte, einige Nebengebäude zu renovieren, fragte mich ob, ich auch die sehen wollte. Ja, das wollte ich! Alte Höfe, denen neues Leben eingehaucht wird, und eine alte Kapelle, die an Franz von Assisis verfallenes Kirchlein von San Damiano erinnert und darauf wartet, dass einer in der Stille eine Stimme hört „Baue meine Kirche wieder auf“, dafür ist mein Herz schon lange weit offen...

Die Kapelle ist der "schmerzhaften Muttergottes" geweiht. Was so fromm katholisch daherkommt, stellt sich für mich vor dem Hintergrund der modernen Achtsamkeitspraxis hoch aktuell dar. Die Muttergottes als Schutzpatronin des Mitgefühls.

Wir können Krise. Wege aus der Bedrängnis

 

Als hätte jemand den globalen Ameisenhaufen Erde unter Wasser gesetzt: Alles schwimmt. Orientierung ist schwer, untergehen in der Verunsicherung ist leicht. Aber wir können Krise. Wir werden erst klarer sehen, wenn das Wasser versickert ist. Das kann noch dauern. Inzwischen müssen wir trockene Plätze aufsuchen, bisweilen schwimmen und zusammenhelfen.

Ich beobachte mit Sorge, wie schnell wir gerade in Schubladen landen und wie schwer es geworden ist, verschiedene Meinungen zu respektieren und gemeinsam Wege aus der Krise zu suchen. Ein vorläufige ganz persönliche Spurensuche. Ich empfehle auch Beiträge von Kolleg*innen auf www.ethik-heute.org

Krise und irgendwie weiter? Erfahrungsbericht aus dem inneren home office.

Bei einem online Achtsamkeitstraining ging es um den Umgang mit Stress und Emotionen. Plötzlich fand ich mich zuhause als teilnehmender Seminarleiter wieder: Innerhalb von 3 Tagen leerte ich eine Flasche Sirup über unseren Ausziehtisch und putzte mich durch alle Ritzen des Steck-Mechanismus, und dann verteilte ich ein Glas Marmelade in der Küche. Die Krise im Außen hatte sich schon vorher in mein Inneres gearbeitet, aber erst jetzt kam es raus: Gereiztheit, Einrasten, Ausrasten - und dann doch eine kleine Lücke, ein Moment, eine Chance zur Verwandlung ...

Stern und Goldjunge. Zwischen Betlehem und Buenos Aires

In Argentinien ging in den 1970-80er Jahren ein Stern auf, den man Goldjunge nannte, pibe de oro: Diego Armando Maradona. Maradona? War das nicht ein Fußballer? Was willst du denn mit Fußball?

Maradona starb im Oktober 2020, sein Stern strahlt weiter in der Dunkelheit. Er war Genie und Gauner, Lichtgestalt und Skandalfigur. Aber er hatte einen Traum, sein Fußball war eine Liebeserlärung an das Leben und damit hat er auch uns was zu sagen.